Känguruhen

Tag 7

Als ich an diesem Morgen zu Samuel kam, erwartete mich eine Überraschung. Mein kleines Baby lag da ohne Maske und hatte super Werte! So ein hübscher, süßer Junge!

Und wem sieht er ähnlich?

Seinem großen Bruder Ben! – Da sind sich bisher alle einig 🙂
Er scheint die Maske doch einwenig zu vermissen…

Wir durften Samuel schon mehrere Male halten und nachdem wir uns daran gewöhnt

hatten, dass er so verkabelt ist, haben wir es richtig genossen, unser Baby endlich auf dem Arm halten zu dürfen.

 

An seinem 7. Tag konnte ich zum ersten Mal mit ihm känguruhen. Die Schwester hat ihn in einen flauschigen Wollsack gepackt und mir dann auf die Brust gelegt. Ich konnte ihm dann zwar nicht mehr so gut ins Gesicht sehen, aber es war so schön!! Und er hat es auch genossen und ganz friedlich bei mir geschlafen 🙂

Aus meinem Tagebuch – 15.06.2013

„Herr, immer mehr erkenne ich, wie zerbrechlich das Leben ist und dass es nicht darum geht, dass wir es gut und leicht haben. Wir sind nicht mehr im Paradies. Was auch immer du vorhast, mach uns bereit, dir alles zu geben. Denn wir wollen alles für deine Verherrlichung tun.“

Der neue kleine Bruder

Ben und Hannah waren sehr gespannt auf ihren neuen kleinen Bruder. Als sie am Tag nach der Geburt in mein Zimmer kamen, schaute Ben sich ganz wild um: „Wo ist Samuel? Wo ist Samuel?“ Es war schwer für sie zu verstehen, dass sie einen Bruder haben, den sie aber nicht sehen konnten. Sie brachten mich mit Baby im Bauch ins Krankenhaus und nun war keins mehr da. Hannah hat immer so gern mit meinem Bauch gekuschelt und wer sollte sie jetzt trösten?!

Einige Tage später durften sie ihn aber endlich sehen. Bevor sie in sein Zimmer gehen durften, mussten sie von einem Kinderarzt untersucht werden. Ben war kerngesund, doch Hannah hatte einen geröteten Hals und durfte nicht ohne Mundschutz zu Samuel. Aber sie hat sich geweigert. Wahrscheinlich hätte es geklappt, wenn dieser pink gewesen wäre 😉

Doch Ben durfte endlich seinen kleinen Bruder sehen. Er wusste ja von Anfang an, dass wir einen Jungen bekommen würden und da war er! „Wie eine Puppe“, stellte er fest. Tatsächlich war er kleiner als einige von Hannahs Puppen. Ben hätte lange am Inkubator stehen und gucken können. Bevor er ging, zog er noch am Band der Spieluhr, die wir beide für Samuel ausgesucht hatten.

Kleiner Vogel

Die Schwestern auf der NIPS sind wirklich lieb, zu Kindern und Eltern. Sie haben immer so süße Kosenamen für die Kleinen – Männlein, mein Freund, Futzi und eine Schwester sagte manchmal „kleiner Vogel“.

Als ich das hörte, hatte ich direkt dieses Bild vor Augen, wie sich ein kleiner Vogel auf einem Zaun absetzt, sich etwas umsieht und bald wieder davonfliegt. Obwohl wir zu diesem Zeitpunkt nichts von Samuels Diagnose wussten, musste ich daran denken, dass er sich vielleicht auch wie ein kleiner Vogel nur kurz bei uns niederlässt und schon bald wieder davonfliegen könnte.

1. Woche – Entwicklung

Samuel wurde nun auf der NIPS von ganz lieben Schwestern versorgt. Er trug eine Maske zur Atemunterstützung und wurde über eine Magensonde ernährt. Am Anfang nahm er wie alle Neugeborenen erstmal ab und wog nur noch 1100g. Doch dann machte er richtig gute Fortschritte. Er begann gut zuzunehmen, machte die immer längeren Pausen von der Maske gut mit und war ziemlich stabil.

Nur seine Verdauung wollte noch nicht so richtig funktionieren, was einerseits wohl normal war, aber auch gut beobachtet werden musste, weil das bei Frühchen schnell zu ernsteren Problemen führen kann. Sein schwerwiegenderes Problem war allerdings seine Herzmuskelverdickung. Scheinbar hatte sein Herzchen schon in meinem Bauch Höchstleistungen erbringen müssen. Sein Herz war und ist immer noch sein vorwiegendes Problem. Da Lungen- und Körperkreislauf nicht getrennt sind, sondern beide von einer Herzkammer ausgehen, ist das Blut im Körper häufig nicht ausreichend mit Sauerstoff gesättigt.

Ich saß so viel bei ihm wie mein Körper mir erlaubte und legte meine Hand auf seinen Rücken, damit er spürte, dass ich da war. Nach 3 durfte ich ihn zum ersten Mal auf den Arm nehmen. Das war sehr kompliziert, weil er an so vielen Kabeln und Schläuchen hing. Aber ich genoss es unbeschreiblich, mein Baby endlich wieder bei mir zu haben.

Was wir sonst noch für ihn tun können? Wickeln, Temperatur messen, Mundpflege… Einmal habe ich ihn sogar „gebadet“. Es ist schön, sich wenigstens etwas an seiner Pflege beteiligen zu können.

Die Windel ist noch viel zu groß 🙂
Aus meinem Tagebuch – 13.06.2013
„…Langsam begreife ich immer mehr, dass das unser Baby ist und kein kleines Püppchen. Es ist so schön, ihn zu wickeln und so. Aber ich konnte ihm bisher noch keinen Kuss geben. Das fehlt mir wirklich. Bitte schenk doch, dass ich ihn bald richtig, richtig halten kann. Mein kleiner Sohn. Ich hab ihn so lieb!“